Prädikow liegt in der Märkischen Schweiz, rund eine Stunde östlich von Berlin, ein Dorf mit etwa 250 Einwohner:innen. Der Hof war lange sein Zentrum: Brennerei, Schmiede, Landwirtschaft, Arbeitsplatz für viele. Nach der Wende wurde es still. Heute leben auf dem Gelände wieder mehr als 50 Erwachsene und 25 Kinder, Alteingesessene, Zugezogene und Rückkehrer:innen, in 14 denkmalgeschützten Gebäuden auf neun Hektar. Grund und Boden gehören der Stiftung trias und sind damit der Spekulation entzogen. Die Genossenschaft SelbstBau e.G. entwickelt und verwaltet die Wohnungen, der Hof Prädikow e.V. trägt Gemeinschaftsleben und Kulturarbeit.
Wohnen, Arbeiten, Kultur, Bildung und Naturschutz greifen hier ineinander. Am deutlichsten wird das in der Scheune: einer ehemaligen Traktorenscheune am Hofeingang, 2021 neu eröffnet, mit Saal, Coworking, Café und Dorfwohnzimmer. Zwei Jahre lang haben Einheimische und Neue gemeinsam geklärt, was dieser Ort sein soll. Dafür gab es 2021 den Brandenburger Baukulturpreis.
Wir von studiovorort leben und arbeiten auf dem Hof. Wir sitzen in den Kreisen der soziokratischen Organisation, treffen Entscheidungen mit und tragen Verantwortung. Hier erproben wir, was wir Organisationen sonst empfehlen. Ein Reallabor ist für uns kein Seminarraum mit schöner Aussicht. Eine gute Methode muss im Alltag einer Gruppe von mehr als 50 Menschen bestehen, zwischen Kindern, Konflikten und knappen Zeitbudgets.
Selbstorganisation. Wir haben Soziokratie eingeführt. Damit befindet sich das Hof-Projekt in der zweiten Transformations-Phase.
Digitalität. Wir diskutieren analog in Kreisen und entscheiden digital. Vieles läuft über digitale Werkzeuge, einige haben wir selbst per Vibe-Coding gebaut. Technik ist hier kein Selbstzweck: Sie muss das Miteinander tragen, sonst fliegt sie wieder raus.
Großgruppen. In regelmäßigen Camps und Workshops arbeiten wir mit rund 50 Menschen gleichzeitig und lernen, wie eine lösungsorientierte Beteiligung in dieser Größe gelingt, ohne in ausufernden Diskussionen zu enden.
Aus diesen Erfahrungen entwickeln wir Bausteine unserer Arbeit: Entscheidungsformen, digitale Werkzeuge, Großgruppen- und Community-Formate werden dokumentiert, getestet und erst dann bei unseren Auftraggebern angewendet.
Für Kultureinrichtungen, NGOs und Kommunen heißt das: Sie bekommen keine fertigen Pakete, sondern erprobte Elemente, die sich auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden lassen. Wie viel Selbstorganisation verträgt ein Haus? Welches digitale Werkzeug passt zu einem Team von zwölf, welches zu einem von 120? Wie wird aus einer Veranstaltung ein Ort, an dem Menschen bleiben wollen? Auf diese Fragen haben wir nicht nur Antworten, sondern echte Erfahrungen.
Hier laufen auch unsere neun Transformationskompetenzen zusammen. Kollaboration, Führung, Innovation, Reflexion und Wissen wachsen in Organisationen nicht durch Lektüre, sondern durch stetige Übung. Der Hof ist unser Übungsfeld, und die Erkenntnisse gehen zuerst dorthin zurück, wo wir wohnen: in das Dorf und in die Region, in der ländliche Räume ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen.
Wer sehen will, wie das aussieht, ist eingeladen: zu einem Besuch, einer Hofführung oder einem gemeinsamen Experiment.